Rheinschiff 07

Über die Freude am Print

Ich bin ein Kind des Analogalters. Meine erste Spiegelreflex habe ich mir in den ganz frühen 80er Jahren „des vergangenen Jahrhunderts“ (wie sich das anhört!) gekauft. Und als Analogfotograf war es ganz selbstverständlich, dass das Bild auch ein Print war. Nur als Abzug konnte die Fotografie wirklich wahrgenommen und bewertet werden. Und selbst wenn man sich der Dia-Fotografie verschrieben hatte, hatte man doch immer ein stoffliches, ein haptisch-sinnlich erfahrbares Positiv in der Hand – wenn auch die wirkungsvolle Präsentation dann in der Tat kein Print mehr war, sondern eine Projektion.

Die Fotografie gehört zu meinen ganz frühen Lieben, auch wenn ich sie im Laufe der Zeit mal mehr und mal weniger intensiv betrieben habe. Und bei mir war sie ganz selbstverschtändlich schwarz-weiß, mit eigenem Labor. Das ist heute lange her; und als ich mich vor vier Jahren entschlossen habe, Berufsfotograf zu werden, war die Fotografie kaum noch analog, sie war digital.

Von der Dunkelkammer in den Hellraum

Wie sicherlich von den meisten, die diesen Wechsel miterlebt und vielleicht sogar herbeigesehnt haben, wurde die digitale Fotografie als Meilenstein und Fortschritt empfunden: der extrem schnelle Workflow, der es erlaubte, das Bild nach dem Belichten innerhalb weniger Sekunden auf einem Monitor zu begutachten, begeisterte mich. Die Tatsache, dass ich nicht mehr Stunden und Tage im Dunkel des Fotolabors zubringen musste, war wie eine Erlösung. Und das schnelle Feedback durch die Technik erlaubte zudem fröhliches Experimentieren auch im Produktivkontext.

Da geriet der Print zunächst einmal in Vergessenheit. Die ersten Jahre habe ich privat und geschäftlich praktisch ausschließlich digital bzw. „virtuell“ gearbeitet – vom belichteten Bild über die Begutachtung und Bearbeitung am Bildschirm bis hin zur Ausgabe auf CD-ROM bzw. zur Ablage auf Festplatten.

Was in den Anfängen in Ordnung war, fiel dennoch bald als Defizit auf, und so kam dann irgendwann ein Epson R2400 zu mir ins Haus, der erstklassigen Druck bei extrem hohen Tintenpreisen erlaubte (weswegen ich schnell auf die Pigmenttinten von Frank Winkler / Mediastreet auswich). Mit diesem Gerät habe ich viel gedruckt, immer mal wieder, für meine Portfoliomappen vor allem, aber auch für private Projekte oder einfach, weil ich ein Bild an der Wand hängen haben wollte. Systematisch aber eigentlich nur im kommerziellen Sinne, dahingehend, dass ich in sporadischen Abständen meine Mappe aktualisiert habe. Die fertigen Fotos wanderten mehr oder minder gut eingelagert in eine große Schublade und gerieten damit auch aus dem Blick.

Mit dem technischen Ende des R2400 (darüber möchte ich hier lieber nicht sprechen… :-() kam ein neuer Drucker ins Haus: der Epson R 3880. Eine Gewichts-, Größen- und Qualitätsklasse über dem Vorgänger angesiedelt, druckt dieser Drucker nun endlich wieder völlig problem- und fehlerlos Seite um Seite und erlaubt nun auch endlich den schnellen Wechsel zwischen glänzenden und matten Papieren.

Das Fachlabor auf dem Schreibtisch

Wenn Drucken wieder einfach Freude macht, druckt man auch mehr, und ich fing an, mich wieder intensiver mit dem Print zu befassen. Und dazu gehörte diesmal auch, die Bestände zu sichten. Wenn man so will, habe ich mich sozusagen mit meinem „Werk“ auseinander gesetzt. Dabei fiel mir manch gut fotografiertes aber schlecht gedrucktes Bild auf – und ich stellte überrascht fest, wie viele Bilder einer Serie zugeordnet werden konnten. Ich stellte außerdem fest, das das meiste von dem, was als freie Arbeit Bestand hat, auch von mir gedruckt worden war – wenn auch nicht immer sorgfältig genug oder vollständig. Und: bei manchen dieser als Print gesichteten Bilder fiel es mir richtig schwer, die dazugehörige Datei zu finden, obwohl ich mir einbilde, mein digitales Archiv einigermaßen strukturiert organisiert zu haben.

Unter dem Eindruck solcher Erlebnisse stellt man sich schon Fragen: Wird meine heutiges Aperture-Bibliothek in 20 Jahren überhaupt noch funktionieren? Auch wenn ich eine funktionierende Datensicherung betreibe – was wird allein wegen der schieren Menge von Bilddaten verlorengehen – weil ich ein bestimmtes Foto nicht mehr wiederfinde oder ich mich an die Logik meiner eigenen Ablagestrukturen nicht mehr erinnern kann. Heute sichere ich intern und extern knapp 2 Terabyte Daten. Wie sieht das in 5 Jahren aus? Oder in 10?

Mir erschien es auf einmal dringlich, zumindest die wichtigsten Arbeiten auf Papier zu „sichern“ und gleichzeitig die Freude daran wieder aufleben zu lassen. So habe ich die guten vorhandenen Prints erst einmal geordnet und in Pappschachteln verwahrt. Einige frühe Serien wie „Köln liegt am Meer“ oder meine „Rheinschiffe“ habe ich neu ausgedruckt, in einem schönen Layout und diesmal auf matten Papieren. Und bin damit zu einem hiesigen Buchbinder gegangen, der in einer wundervoll-wunderlichen Hinterhofwerkstatt in Köln arbeitet, wo alles voller Papier und Bücher ist und der mir daraus für überschaubares Geld zwei wunderbare Bücher binden wird: Mit Leineneinband, Vorseite und Prägedruck auf dem Titel.

Ich freue mich schon sehr darauf, diese Bücher fertig vor mir zu sehen, in der Hand zu halten, sie Menschen zu zeigen oder einfach auch, sie im Regal stehen zu haben. Es kommt mir ein wenig vor, wie ein Zurückkehren zum Wesen der Fotografie, zum soliden Handwerk, zur sorgfältigen Ausarbeitung und zu dem alten Exklusivprinzip: gedruckt wird nur, was es auch wert ist. Und was gedruckt wurde, hat Chancen darauf, für länger zu bestehen.

– wird fortgesetzt –

3 Kommentare
  1. Martin
    Martin sagte:

    Hallo Christian,

    den Wunsch, die eigenen Bilder auch wirklich „in den Händen“ zu halten, verstehe ich gut. Ich bin zwar rein digital „aufgewachsen“, was das Fotografieren angeht, aber freue mich auch immer wie ein Schnitzel, wenn ich eins meiner Bilder als Abzug im Briefkasten habe (oder noch besser, bei jemandem an der Wand hängen sehe). Für einen brauchbaren Fotodrucker reichte bei mir bisher zwar das Geld nicht, so dass ich weiterhin ausschließlich auf Labore wie z.B. Saal setze(n muss), aber wie man letztendlich an eine „anfassbare“ Version seiner Bilder kommt ist ja irgendwie auch sekundär. 🙂

    Schönes und interessantes Blog hast du, bin gespannt, wie’s weitergeht! Ich würde mir nur das ein oder andere „fertige Bild“ z.B. in deinem Post zum Ausbildungs-Projekt wünschen (es muss ja nicht genau das sein, welches nachher in der Ausstellung landet, aber ihr produziert ja sicher mehr als nur ein vorzeigbares Foto 😉 ).

    Viele Grüße,
    Martin

    Antworten
    • Christian Ahrens
      Christian Ahrens sagte:

      Hallo Martin,

      zu Deiner letzten Anmerkung: wir werden das untereinander besprechen und ggf. auch mit dem Kunden klären. Deine Anregung würde ich jedenfalls gerne aufnehmen.

      Viele Grüße, Christian

      Antworten

Trackbacks & Pingbacks

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert