Foto: Christian Ahrens

Traditioneller Jahresrückblick auf das Canon-Jahr

Hallo liebe Leser,
vor mittlerweile 6 Jahren bin ich in die digitale Fotografie eingestiegen, damals mit einer Canon 300D, eine der ersten bezahlbaren Spiegelreflexkameras mit einer guten Bildqualität, die mit den auf Film fotografierten Ergebnissen mithalten konnte. Daher ist Ende Oktober/Anfang November sozusagen immer Jahrestag für meinen Einstieg in die Canon-Fotografie. Seit Jahren veröffentliche ich im Dforum einen Jahresrückblick, was ich auch 2010 getan habe. Der Text soll aber auch auf meinem Blog nicht fehlen:

Neues im Canon-Umfeld?
Auch in diesem Jahr kann ich vermelden: Kameratechnisch gibt es nichts Neues, denn ich fotografiere weiterhin mit 1D III und 1Ds II, zu meiner Zufriedenheit, es gibt keine Objektivneukäufe, keine zusätzlichen Blitzgeräte oder sonstige Dinge, die den Namen Canon tragen. Als Geschäftsmann und Unternehmer kann ich das nur begrüßen, denn die 3 bis 6 Kiloeuro, die eine neue Kamera bedeuten würde, bedeutet auch, dass die entsprechende Eurosumme meinen Gewinn schmälern würde. Ich bin sehr zufrieden damit, dass meine beiden Arbeitspferde weiterhin zu meiner vollsten Zufriedenheit arbeiten und meinen Lebensunterhalt sichern helfen.

Foto: Christian Ahrens

Foto: Christian Ahrens

Warum ist das so? Weil es keinen Grund gab und gibt, die Kameras auszutauschen. Beide Geräte, die ich auch schon im vergangenen Jahr in Betrieb hatte, funktionieren einwandfrei. Vielleicht ist der Lack rund um den Auslöseknopf meiner Hauptkamera, der 1DsII, etwas abgegriffener, mag sein. Doch nach wie vor arbeitet die Kamera perfekt und liefert Bildergebnisse, die ich und meine Kunden ohne Einschränkungen als state of the art ansehen. Braucht man mehr? Derzeit nicht. Die einzige Kamera, die mich vielleicht in Versuchung führen könnte, wäre eine sehr starke 1Ds Mk IV. Doch die gibt es bis heute nicht, weder als reales Produkt noch als Ankündigungs-Fata-Morgana.

Das Thema Video beschäftigt mich allerdings schon, wenn auch bisher nur am Rande. Ich sehe es als wunderbare kreative Ergänzung zu den bisherigen Möglichkeiten einer digitalen Spiegelreflexkamera, ganz gleich, ob man das nun privat und spielerisch oder auch geschäftlich nutzen will. Schon als Schüler habe ich mir gewünscht, professionelles Filmmaterial belichten zu können, aber mehr als ein paar Super-8-Versuche waren damals nicht drin. Von 16mm oder professionellen Videoformaten konnte man nur träumen. Jetzt stecken diese Möglichkeiten in jeder aktuellen Spiegelreflex gleich mit drin; das fasziniert mich schon. Auch unter diesem Aspekt wäre eine 1 Ds IV sicherlich spannend. Wenn sie denn irgendwann mal kommt, lieferbar wird und sich auch die ersten Preishörner abgestoßen hat.

Gerätetechnisch gab es ansonsten nur ein paar Ausfälle: das 24-70 hatte eine defekt Zoom-Mechanik und musste repariert werden. Das gleiche bei einem 580er, der auf einmal nur noch volle Pulle blitzen wollte. Beides hat Canon Willich schnell und erfolgreich erledigt, die Rechnung über 500 Euro buche ich als nicht zu ändernde Notwendigkeit, wie eine Autoreparatur. Das mit dem Objektiv war übrigens richtig tricky: das Objektiv hakte schon eine ganze Weile, aber das habe ich ignoriert, bis zu dem Zeitpunkt als mitten im Shooting für einen großen deutschen Dienstleister die Bilder auf einmal immer unschärfer wurden. Gottseidank hat es meine Kollegin und Geschäftspartnerin, die bei dem Job assistiert hat, rechtzeitig bemerkt, so dass nur ein Motiv von dem Problem in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ich habe dann mit dem Objektiv meiner Kollegin weiter fotografiert, mit besten Ergebnissen.

Gemeinsam arbeiten
Apropos Kollegin. Schon seit zwei Jahren arbeite ich eng mit der Fotografin Silvia Steinbach zusammen. Wir tauschen uns aus, knobeln neue Techniken aus, leihen uns gegenseitig Equipment und so weiter. Seit 1. Juni haben wir auch eine gemeinsame Firma: Ahrens & Steinbach Projekte. Ziel dieser Unternehmung ist es, fotografische Projekte im größeren Stil, vor allem im Umfeld von Zukunftsthemen wie Energie, Bildung oder Biotechnologie, zu realisieren. Einen ersten Auftraggeber haben wir bereits gefunden, der ein sehr schönes Thema von uns ausarbeiten lässt. Mehr dazu im Frühjahr 2011, dann werde ich wieder eine Ausstellung ankündigen können!

Aber auch sonst ist diese Zusammenarbeit unschätzbar wertvoll. Bei unseren kommerziellen Einzelprojekten assistieren wir uns gegenseitig, was unerhört hilfreich und effizienzsteigernd ist. Außerdem kommt es gut bei den Kunden an, und der jeweilige federführende Fotograf/Fotografin bekommt bestmögliche Unterstützung. Die Produktionen werden sicherer, schneller und nicht zuletzt auch viel mehr Spaß.

Licht

Foto: Christian Ahrens

Foto: Christian Ahrens

Am meisten haben wir in diesem Jahr am Licht gearbeitet und unsere Möglichkeiten verfeinert und ausgebaut. Zu unserer feinen Lumedyne-Anlage ist ein großer Elinchrom Ranger dazu gekommen, das erweitert manche Möglichkeiten. Gleichzeitig haben wir weiter an unserer Fähigkeit des Licht-Setzens gearbeitet, wir sind subtiler geworden, haben mehr Feinheiten im Angebot, auch mehr Routine. Das ist ein langer Weg und noch gilt es vieles zu entdecken. Ich freue mich auf neue Erkenntnisse und Horizonte!

Technisch haben wir gerade die Microsync-Funk-Sender/Empfänger ausgemustert und erwarten täglich die Lieferung von 6 Pocket Wizards. Die Microsyncs sind gut in unkritischen Umgebungen, aber wir haben die Erfahrung machen müssen, dass sie im rauhen Umfeld in der Industrie mitunter schnell aussteigen. So haben wir beispielsweise vor einigen Wochen in einem Werk fotografiert, in dem Riesenbagger gebaut werden. Da steht natürlich viel Stahl herum, aber selbst aus Nahdistanzen haben die Microsyncs kaum jemals ausgelöst, es war wirklich katastrophal und wir müssten schnell eine optische Brücke improvisieren. Ob das an überlagernden Funknetzen oder sonst etwas gelegen hat, wissen wir nicht. Wir erhoffen uns, von den Pocket Wizards hier einfach mehr, einen besseren Stör-Signalabstand, höhere Zuverlässigkeit. Hoffentlich werden die Teile ihrem Ruf gerecht, hoffentlich rechnet sich die Investition!

Vorbilder und Zukunft

Foto: Christian Ahrens

Foto: Christian Ahrens

Eine große persönliche Freude hatte ich jetzt im Herbst, als ich den von mir hoch geschätzten Fotografen und Filmemacher Gert Wagner persönlich kennenlernen durfte. Ich bin jetzt seit 5 Jahren erfolgreich im Geschäft; aber im Gespräch mit einem Altmeister merkt man schnell, wie viel man noch lernen, erfahren, verfeinern und verbessern kann. „Lebenslanges Lernen“ ist absolut nicht übertrieben in der Fotografie, es ist eine Realität. Als Folge dieser Begegnung haben wir uns entschlossen, ein gemeinsames Buch zu realisieren. Mit (abenteuerlichen) Geschichten aus der beruflichen Fotopraxis, mit spannenden Erlebnissen, Katastrophen und Sensationen – und vor allem auch dem, was man daraus lernen kann. Wie man seine Technik verfeinert, seine Fähigkeiten schult und seine Möglichkeiten ausbaut. Wir werden dieses Buch als eBook über die bekannten Kanäle vertreiben; wann es soweit ist, werde ich natürlich hier berichten.

Geschäftliches

Foto: Christian Ahrens

Foto: Christian Ahrens

Auch geschäftlich sind wir in diesem Jahr neue Wege gegangen und haben in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Uwe Völkner an einer europaweiten Ausschreibung einer großen europäischen Behörde teilgenommen (Triofoto). Dabei ist uns ein Teilerfolg beschieden gewesen, und wir haben eines von drei Losen gewinnen können. Außerdem realisieren wir einen Großauftrag für eine Agentur und werden daher in den kommenden Monaten viel reisen. Sehr erfreulich!

Ausblick
2010 entwickelte sich zu einem sehr spannenden fotografischen Jahr, mit vielen Linien in die Zukunft. Projekte, Pläne, Ideen und Wünsche: es gibt noch viel zu tun. Langweilig wird es nicht werden 2011. Ich werde weiter berichten, so oft es meine Zeit erlaubt.

Eine schöne Vorweihnachtszeit wünscht
Ihr Christian Ahrens

Rheinschiff 07

Über die Freude am Print

Ich bin ein Kind des Analogalters. Meine erste Spiegelreflex habe ich mir in den ganz frühen 80er Jahren „des vergangenen Jahrhunderts“ (wie sich das anhört!) gekauft. Und als Analogfotograf war es ganz selbstverständlich, dass das Bild auch ein Print war. Nur als Abzug konnte die Fotografie wirklich wahrgenommen und bewertet werden. Und selbst wenn man sich der Dia-Fotografie verschrieben hatte, hatte man doch immer ein stoffliches, ein haptisch-sinnlich erfahrbares Positiv in der Hand – wenn auch die wirkungsvolle Präsentation dann in der Tat kein Print mehr war, sondern eine Projektion.

Die Fotografie gehört zu meinen ganz frühen Lieben, auch wenn ich sie im Laufe der Zeit mal mehr und mal weniger intensiv betrieben habe. Und bei mir war sie ganz selbstverschtändlich schwarz-weiß, mit eigenem Labor. Das ist heute lange her; und als ich mich vor vier Jahren entschlossen habe, Berufsfotograf zu werden, war die Fotografie kaum noch analog, sie war digital.

Von der Dunkelkammer in den Hellraum

Wie sicherlich von den meisten, die diesen Wechsel miterlebt und vielleicht sogar herbeigesehnt haben, wurde die digitale Fotografie als Meilenstein und Fortschritt empfunden: der extrem schnelle Workflow, der es erlaubte, das Bild nach dem Belichten innerhalb weniger Sekunden auf einem Monitor zu begutachten, begeisterte mich. Die Tatsache, dass ich nicht mehr Stunden und Tage im Dunkel des Fotolabors zubringen musste, war wie eine Erlösung. Und das schnelle Feedback durch die Technik erlaubte zudem fröhliches Experimentieren auch im Produktivkontext.

Da geriet der Print zunächst einmal in Vergessenheit. Die ersten Jahre habe ich privat und geschäftlich praktisch ausschließlich digital bzw. „virtuell“ gearbeitet – vom belichteten Bild über die Begutachtung und Bearbeitung am Bildschirm bis hin zur Ausgabe auf CD-ROM bzw. zur Ablage auf Festplatten.

Was in den Anfängen in Ordnung war, fiel dennoch bald als Defizit auf, und so kam dann irgendwann ein Epson R2400 zu mir ins Haus, der erstklassigen Druck bei extrem hohen Tintenpreisen erlaubte (weswegen ich schnell auf die Pigmenttinten von Frank Winkler / Mediastreet auswich). Mit diesem Gerät habe ich viel gedruckt, immer mal wieder, für meine Portfoliomappen vor allem, aber auch für private Projekte oder einfach, weil ich ein Bild an der Wand hängen haben wollte. Systematisch aber eigentlich nur im kommerziellen Sinne, dahingehend, dass ich in sporadischen Abständen meine Mappe aktualisiert habe. Die fertigen Fotos wanderten mehr oder minder gut eingelagert in eine große Schublade und gerieten damit auch aus dem Blick.

Mit dem technischen Ende des R2400 (darüber möchte ich hier lieber nicht sprechen… :-() kam ein neuer Drucker ins Haus: der Epson R 3880. Eine Gewichts-, Größen- und Qualitätsklasse über dem Vorgänger angesiedelt, druckt dieser Drucker nun endlich wieder völlig problem- und fehlerlos Seite um Seite und erlaubt nun auch endlich den schnellen Wechsel zwischen glänzenden und matten Papieren.

Das Fachlabor auf dem Schreibtisch

Wenn Drucken wieder einfach Freude macht, druckt man auch mehr, und ich fing an, mich wieder intensiver mit dem Print zu befassen. Und dazu gehörte diesmal auch, die Bestände zu sichten. Wenn man so will, habe ich mich sozusagen mit meinem „Werk“ auseinander gesetzt. Dabei fiel mir manch gut fotografiertes aber schlecht gedrucktes Bild auf – und ich stellte überrascht fest, wie viele Bilder einer Serie zugeordnet werden konnten. Ich stellte außerdem fest, das das meiste von dem, was als freie Arbeit Bestand hat, auch von mir gedruckt worden war – wenn auch nicht immer sorgfältig genug oder vollständig. Und: bei manchen dieser als Print gesichteten Bilder fiel es mir richtig schwer, die dazugehörige Datei zu finden, obwohl ich mir einbilde, mein digitales Archiv einigermaßen strukturiert organisiert zu haben.

Unter dem Eindruck solcher Erlebnisse stellt man sich schon Fragen: Wird meine heutiges Aperture-Bibliothek in 20 Jahren überhaupt noch funktionieren? Auch wenn ich eine funktionierende Datensicherung betreibe – was wird allein wegen der schieren Menge von Bilddaten verlorengehen – weil ich ein bestimmtes Foto nicht mehr wiederfinde oder ich mich an die Logik meiner eigenen Ablagestrukturen nicht mehr erinnern kann. Heute sichere ich intern und extern knapp 2 Terabyte Daten. Wie sieht das in 5 Jahren aus? Oder in 10?

Mir erschien es auf einmal dringlich, zumindest die wichtigsten Arbeiten auf Papier zu „sichern“ und gleichzeitig die Freude daran wieder aufleben zu lassen. So habe ich die guten vorhandenen Prints erst einmal geordnet und in Pappschachteln verwahrt. Einige frühe Serien wie „Köln liegt am Meer“ oder meine „Rheinschiffe“ habe ich neu ausgedruckt, in einem schönen Layout und diesmal auf matten Papieren. Und bin damit zu einem hiesigen Buchbinder gegangen, der in einer wundervoll-wunderlichen Hinterhofwerkstatt in Köln arbeitet, wo alles voller Papier und Bücher ist und der mir daraus für überschaubares Geld zwei wunderbare Bücher binden wird: Mit Leineneinband, Vorseite und Prägedruck auf dem Titel.

Ich freue mich schon sehr darauf, diese Bücher fertig vor mir zu sehen, in der Hand zu halten, sie Menschen zu zeigen oder einfach auch, sie im Regal stehen zu haben. Es kommt mir ein wenig vor, wie ein Zurückkehren zum Wesen der Fotografie, zum soliden Handwerk, zur sorgfältigen Ausarbeitung und zu dem alten Exklusivprinzip: gedruckt wird nur, was es auch wert ist. Und was gedruckt wurde, hat Chancen darauf, für länger zu bestehen.

– wird fortgesetzt –